Intuitive Musik  Es ist Montagabend, der 9.5.11 in Riesa. Zu Gast auf der Wechselbühne der Kulturwerkstatt ART ist der Improvisationskünstler Roland Graeter mit dem Projekt „Musik-Marathon 2011“. An 365 Tagen ist er deutschlandweit unterwegs, um gemeinsam mit jeweils unterschiedlichen Musikern mit seiner Stimme und einem Cello der musikalischen Intuition zu folgen. Heute wird er gemeinsam mit Andreas, Florian und Simon Hartzsch vom Glashof e.V. auftreten. Nach einer kurzen Begrüßung beginnen die Musiker zu spielen. Einfach so, ohne sich abgesprochen zu haben. Es entstehen kurze Sequenzen mit jeweils eigener Rhythmik und Klangqualität, die einander überlappen, Motive bilden, die einige Zeit gehalten und mit den unterschiedlichen musikalischen Möglichkeiten der vier Künstler variiert werden um dann wieder zu verschwinden, unterzugehen in neuen Mustern. Ein stetiger Wechsel aus Anklängen, Klangfarben, Tempi ist die Folge. Auf dem gefühlten Höhepunkt der ersten Session entsteht ein längerer Abschnitt, in dem sich die Musiker in ihrem Spiel scheinbar vereinen. Die musikalischen Bilder die entstehen, entfalten eine fast mystische Harmonie. In mir weckt diese Musik visuelle Assoziationen zu den Weiten des Weltalls. Ein grandioses Klangerlebnis. In der Pause kann ich es mir nicht verkneifen, die Musiker zu fragen, wie so etwas funktioniert, ob es nicht doch irgendwelche Regeln gibt. Roland Graeter erzählt, dass es schon Regeln gebe in der Intuitiven Musik. Zum einen ist die Beherrschung des eigenen Instruments, die vonnöten sei. Zum anderen ist es die Fähigkeit, sich auf die Töne der anderen Musiker im Wechselspiel einzustellen, sodass im Idealfall jeder jeden gleichzeitig hört . Mit diesen Wahrnehmungen kann dann musikalisch gespielt werden. Die Motive der anderen können z.B. verstärkt oder gebrochen werden. Ganz wichtig sei es aber aus dem eigenen Bauch, dem eigenen Empfinden zu schöpfen. Andreas Hartzsch meint, dass ja auch jeder Musiker dadurch die Chance erhält, sich mit seinen eigenen musikalischen Erfahrungen einzusetzen. Sogar das Publikum sei durch seine Aktivität am Vorgang der musikalischen Improvisation beteiligt. So werde ich schließlich gefragt, ob ich gut folgen konnte, ob ich mit meiner Aufmerksamkeit bei der Musik bleiben konnte. Mich überrascht die Frage, da ich mühelos zuhören konnte. Es gäbe aber auch Abende, meint Roland Graeter, wo es nicht gelingt, zu einem gemeinsamen Spiel zusammen zu finden. Andreas Hartzsch fällt dazu ein, dass es das Schlimmste sei, wenn sich keine so richtig traue drauflos zu spielen.
Nach der Pause kommt ein fünfter Musiker hinzu. Simon Hartzsch, der vorher am Schlagzeug saß, steigt mittendrin erst ein, so als habe er soeben eine Eingebung erhalten bewegt er sich schnell zu seinem Instrument. Roland Graeter scheint mitunter in dem voluminösen Sound der anderen unterzugehen. Doch plötzlich ist es so als würde er in einer kurzen Pause, nachdem das Schlagwerk verstummt Opposition bieten, eine rhythmisch sehr anspruchsvolle und nun sehr lautstarke Sequenz nimmt die Muster der anderen auf und treibt sie auf die Spitze. Die anschließende Ruhe ergibt ein gelungenes Ende. Der Applaus des Publikums kommt prompt. Alles wirkt wie verabredet und nichts davon wird so ein zweites Mal je zu hören sein. Ein faszinierende Erfahrung.
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