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New York,
1947. Im Plattenlabel Blue Note erscheint das erste Album von Thelonious Monk,
einem genialen Individualisten, der dem modernen Jazz einen unverwechselbaren
Klang verlieh. Bereits als Kind gewann der Pianist derartig viele
Klavierwettbewerbe, dass er schließlich von deren Teilnahme ausgeschlossen
wurde. Riesa,
2006. Das Dresdner Trio Lapsus spielt auf der
Wechselbühne der Kulturwerkstatt ART und wandelt virtuos auf den Spuren eben
jenes Monk, der den Free Jazz erfand und etablierte, noch bevor er in den späten
60er Jahren einen eigenen Namen erhielt. Diese Stilrichtung des Jazz stellt die
klassischen Ansprüche an Musik in Frage. Im Mittelpunkt steht die Improvisation,
die experimentelle Integration von verschiedenen Stilen, Instrumenten und
Effekten. Diese unkonventionelle Vielfalt drückt nichts anderes aus als den
Zeitgeist einer Welt, die sich im beständigen Wandel befindet, sie löst die
Gedanken und lässt sie bisweilen im eigenwilligen 7/8-Takt der Musik
frei fließen. Die drei
Musiker von Lapsus fanden sich im Herbst 2004 in Dresden zum basslosen Trio
zusammen. Aus der Not wurde eine Tugend: mit Lust machen sie sich seither daran,
die Möglichkeiten einer Besetzung aus Schlagzeug, Saxofon und Posaune
auszuloten. Dies geschieht in freier Improvisation ebenso wie in
Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Monk-Stücken. Unterricht nahmen die
drei Studenten der Dresdner Musikhochschule bei Gianni Gebbia, Günter Sommer und
Leo Smith, was Lapsus zu einem äußerst individuellen Klang verhalf. Ihre
Titel klingen ungewohnt und behandeln persönliche Gedanken und
Erinnerungen. So bezieht sich etwa das Stück „1/2 Preis Karlsruhe“ auf die
frühen Erfahrungen des Saxofonisten Robert Würz, der als kleiner Junge einmal
wöchentlich zum ihm verhassten Klavierunterricht fahren musste und dabei immer
wieder den grimmigen Busfahrer mit dem tätowierten Oberarm zu überwinden hatte.
Die
Kulturwerkstatt ART hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Riesaer Publikum ein
breites Spektrum an Kleinkunst zur Verfügung zu stellen. Kleinkunst ist ein
künstlerischer Stil, der im „Kleinen“ funktioniert. Worauf es ankommt, ist
der Dialog zwischen der Kunst und dem Zuschauer. Während der Mainstream dazu
neigt, oberflächlich zu werden, oft steril wirkt, bedient die Kleinkunst eine
Nische des Lebendigen, des Differenzierten. So musste eine Besucherin des
Konzerts laut schmunzeln, als Posaunist Martin Schulze virtuos auf einer Pfeife
pfiff und die 17-jährige Nicole bat nach der Pause um lustigere Lieder,
woraufhin Schlagzeuger Hannes Lingens nur noch fröhliche Lieder ankündigte.
Langer Applaus und intensive Gespräche im Anschluss zeigten die Begeisterung
eines Publikums, welches sich sichtlich wohl fühlte. |